Ratgeber für Facharbeiter

Facharbeiter in Zeiten der KI: Was sich ändert und was bleibt

Künstliche Intelligenz verändert vor allem Büroarbeit. Handwerk und Produktion sind laut Schweizer Studien bisher viel weniger betroffen. Die Arbeit mit den Händen vor Ort, Reparatur und Montage bleiben. Was sich ändert, sind die Werkzeuge rundherum: Diagnosegeräte, Maschinensteuerungen, Lagersoftware, Apps für Offerten, Fotos und Rapporte. Wer mit diesen Werkzeugen umgehen kann, Fehler sauber sucht und gut mit Kunden spricht, ist gut aufgestellt. Dieser Ratgeber zeigt, was die Forschung sagt, was sich in welchem Beruf ändert und wie Sie KI im Alltag einfach nutzen können.

Von Jürgen Winkler, JobAdvice Swiss GmbH · Stand Oktober 2026 · Lesezeit 7 Minuten

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Was ist mit «KI» gemeint?

Mit KI sind hier Programme gemeint, die Texte schreiben, Fragen beantworten, Bilder erkennen oder Muster in Daten finden. Bekannte Beispiele sind Chat-Programme, in die Sie eine Frage eintippen und eine Antwort bekommen. Dazu kommt KI, die in Geräten und Software steckt, ohne dass man sie sieht: im Diagnosegerät der Werkstatt, in der Lagersoftware oder in der Übersetzungs-App auf dem Handy.

Wichtig: Eine KI kann einen Satz schreiben. Sie kann kein Dach decken, kein Brot backen und keinen Wasserschaden finden.

Was sagt die Forschung?

Die grossen Studien kommen zu einem ähnlichen Bild: KI verändert viele Stellen, ersetzt aber selten ganze Berufe. Am stärksten betroffen sind Büro- und Computerarbeiten.

StudieWas sie sagt
ILO, Internationale Arbeitsorganisation (2025)Rund jede vierte Stelle weltweit hat mit Aufgaben zu tun, die generative KI berühren kann; in reichen Ländern sind es 34 %. Am stärksten betroffen sind Büroberufe. Die Forscher erwarten vor allem, dass sich Stellen verändern, nicht dass sie verschwinden.
OECD (2023)In den OECD-Ländern arbeiten im Schnitt rund 27 % der Beschäftigten in Berufen mit dem höchsten Risiko, dass Tätigkeiten automatisiert werden. Spürbare Folgen für die Stellen sah die OECD damals noch kaum.
KOF der ETH Zürich (2025)In der Schweiz sind bisher vor allem Informatik-Berufe betroffen. Handwerk, Reinigung und Hauswartung sind kaum oder gar nicht betroffen.
Einstain / Angestellte Schweiz (2026)Rund 28 % von 3 Millionen untersuchten Arbeitsplätzen sind stark von KI betroffen, vor allem in Verwaltung, Banken, Versicherungen und Recht. In Handwerks- und Pflegeberufen wirkt sich KI im Alltag viel weniger aus.
IAB, Deutschland (2024)Der Anteil der Beschäftigten in Berufen, in denen mindestens 70 % der Tätigkeiten von Computern oder Maschinen übernommen werden könnten, stieg von 34 % (2019) auf 38 % (2022). Die grössten Potenziale liegen in den Fertigungsberufen. Das Institut betont: Das ist das technisch Mögliche, nicht das, was tatsächlich passiert.

Ehrlich gesagt heisst das zweierlei. Für die Arbeit vor Ort sieht es gut aus. In der Produktion dagegen können Maschinen schon heute viele Routine-Handgriffe übernehmen, und das nimmt zu. Dort lohnt es sich besonders, mit der Technik mitzugehen.

Für deutsche Berufe können Sie im Job-Futuromat des IAB nachsehen, welche Tätigkeiten heute schon von Technik übernommen werden könnten. Für die Schweiz gibt es kein gleiches Werkzeug, die Berufe sind aber sehr ähnlich.

Was bleibt: Die Arbeit vor Ort

Diese Arbeiten kann keine Software übernehmen:

  • Handarbeit an wechselnden Orten: Jede Baustelle, jedes Dach, jeder Garten ist anders.
  • Reparatur: Ein Fehler zeigt sich oft erst beim Öffnen, Messen, Hören oder Riechen.
  • Montage und Einbau: Teile passen in der Praxis nicht immer wie auf dem Plan.
  • Verantwortung: Wer eine Elektroinstallation abnimmt oder eine Bremse prüft, steht dafür gerade. Das bleibt beim Menschen.
  • Kundenkontakt: Erklären, beraten, eine Lösung finden, die passt.

Was sich ändert: Beispiele aus den Berufen

BerufWas sich ändert
Automobil-MechatronikerMehr Software-Diagnose, Updates und Elektronik. Das Diagnosegerät schlägt mögliche Ursachen vor, die Prüfung macht der Mensch.
Polymechaniker, AnlagenführerCNC-Programme entstehen öfter am Computer und werden simuliert. Maschinen melden Störungen selbst. Wichtig wird, Daten am Bildschirm zu lesen und Fehler einzugrenzen.
LogistikerLagersoftware plant Wege und Bestände, Scanner und teils Roboter übernehmen Abläufe. Gefragt ist, wer die Systeme bedient und reagiert, wenn etwas nicht stimmt.
ElektroinstallateurPlanung, Schemata und Messprotokolle laufen über Software und Apps. Die Installation selbst bleibt Handarbeit.
Sanitärinstallateur, HeizungsinstallateurPläne kommen aufs Tablet, Heizungen und Wärmepumpen lassen sich oft per App einstellen und überwachen. Leitungen verlegen, anschliessen und abdichten bleibt Handarbeit.
Spengler, Dachdecker, Zimmermann, MetallbauerAufmass per App oder Drohne, Pläne auf dem Tablet, Fotos als Nachweis. Teile kommen öfter fertig zugeschnitten aus der Werkstatt.
SchreinerMehr CNC-Fertigung und Planung am Computer, dazu Montage beim Kunden.
GärtnerBewässerung und Pflege werden teilweise digital gesteuert, Offerten und Fotos laufen übers Handy.
Bäcker, MetzgerBestellungen, Rezepte, Kühlung und Rückverfolgbarkeit laufen digital. Handwerk und Geschmack bleiben.
MalerFarbtöne werden digital gemessen, Flächen per App ausgemessen, Offerten und Fotos laufen übers Handy. Untergrund vorbereiten und sauber streichen bleibt Handarbeit.
LackiererFarbtöne werden digital gemessen und gemischt, Lackierroboter übernehmen Serien. Reparaturen und Einzelstücke bleiben Handarbeit.

Gemeinsam ist vielen Berufen: Papierkram wird digital. Rapporte, Offerten, Stundenzettel und Fotos laufen über Apps. Hier kann KI in Zukunft viel Schreibarbeit abnehmen.

Welche Fähigkeiten wichtiger werden

  • Digitale Grundkenntnisse: Mit Tablet, App und Programm des Betriebs sicher umgehen. Es geht um das Bedienen, nicht um das Programmieren.
  • Fehlersuche: Wenn das Gerät eine Ursache vorschlägt, prüfen Sie, ob sie stimmt. Wer systematisch sucht, ist gefragt.
  • Kundenkontakt: Je mehr Technik, desto wichtiger ist jemand, der sie dem Kunden erklärt.
  • Lernbereitschaft: Neue Geräte kommen laufend. Kurse des Herstellers oder des Verbands helfen.
  • Kritischer Blick: KI macht Fehler und klingt dabei sicher. Was sie sagt, immer prüfen.

Am Rand: Die Schweiz sucht in vielen Berufen Fachkräfte. Daran ändert KI vorerst wenig. Wer seinen Beruf gut kann und mit der Technik mitgeht, bleibt gefragt. Welche Bereiche besonders gesucht sind, zeigt der Ratgeber Zukunftsperspektiven für Facharbeiter in der Schweiz. Welche Kurse und Abschlüsse nach der Lehre möglich sind, erklärt unser Weiterbildungs-Ratgeber.

KI im Alltag nutzen: einfache Beispiele

Sie müssen nichts Neues lernen, um anzufangen. Ein Chat-Programm auf dem Handy reicht.

  • Übersetzen: Eine Anleitung auf Französisch oder Englisch abfotografieren und auf Deutsch übersetzen lassen.
  • Erklären lassen: «Erkläre mir einfach, was diese Fehlermeldung bedeutet.» Das Ergebnis danach mit Handbuch oder Kollegen prüfen.
  • Schweizer Begriffe: «Was heisst ‹Offerte›, ‹Rapport› oder ‹Znüni› auf Hochdeutsch?» Praktisch für alle, die aus Deutschland oder Österreich kommen.
  • Bewerbung: Die KI hilft, ein Motivationsschreiben zu gliedern oder die Rechtschreibung zu prüfen. Den Inhalt schreiben Sie selbst, sonst klingt er nicht nach Ihnen.
  • Texte für Kunden: Eine kurze, höfliche Mail an einen Kunden vorformulieren lassen und dann anpassen.

Drei Regeln dabei:

  1. Keine persönlichen Daten von Kunden, Kollegen oder Ihnen selbst eingeben, und keine Firmengeheimnisse.
  2. Bei Sicherheit nie blind vertrauen: Normen, Vorschriften, Masse und Sicherheitsregeln immer in der offiziellen Quelle oder beim Vorgesetzten prüfen.
  3. Regeln des Betriebs beachten: Manche Firmen erlauben bestimmte Programme nicht.

Checkliste

  • Ich weiss, welche Tätigkeiten in meinem Beruf digitaler werden
  • Ich kann die Apps und Geräte meines Betriebs sicher bedienen
  • Ich habe ein KI-Programm einmal zum Übersetzen oder Erklären ausprobiert
  • Ich gebe keine persönlichen Daten oder Firmendaten in KI-Programme ein
  • Ich prüfe KI-Antworten zu Sicherheit und Normen immer nach
  • Ich habe nach einem Kurs zu neuen Geräten oder Programmen in meinem Beruf gefragt
  • Im Lebenslauf stehen die Programme und Geräte, die ich kenne

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