Ratgeber für Facharbeiter

Zukunftsperspektiven für Facharbeiter in der Schweiz: Wo Sie gebraucht werden

Der Schweizer Stellenmarkt ist 2025 und 2026 ruhiger geworden. Gute Facharbeiter bleiben aber gefragt, vor allem auf dem Bau, in der Elektro- und Gebäudetechnik und in technischen Berufen. Langfristig spricht vieles dafür, dass das so bleibt: Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in Rente, und die Energiewende braucht Leute, die Solaranlagen, Wärmepumpen und Ladestationen bauen. Dieser Ratgeber zeigt, welche Bereiche gesucht sind, was die Zahlen wirklich sagen und was das für Sie heisst: beim Lohngespräch, bei der Weiterbildung, bei der Spezialisierung und beim Schritt in die Selbständigkeit.

Von Jürgen Winkler, JobAdvice Swiss GmbH · Stand Oktober 2026 · Lesezeit 7 Minuten

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Der komplette Ratgeber plus Extras, die es nur im PDF gibt: ein Selbstcheck «Wo stehe ich in fünf Jahren?», eine Übersicht gefragter Zusatzqualifikationen je Berufsfeld und Fragen für das Gespräch mit dem Arbeitgeber. Kostenlos per E-Mail.

Wie steht der Arbeitsmarkt heute da?

Zuerst die ehrliche Lage. Der Fachkräftemangel hat sich in der Schweiz abgeschwächt:

  • Der Fachkräftemangel Index Schweiz 2025 der Adecco Gruppe und der Universität Zürich lag rund 22 Prozent unter dem Vorjahr. In der Deutschschweiz waren es minus 23 Prozent.
  • Nur noch 4 von 32 Berufsgruppen zeigen einen klaren Mangel. Drei davon betreffen Bau und Technik: Bauführer, Poliere und Produktionsleiter (Rang 2), ingenieurtechnische Fachkräfte (Rang 3) sowie Elektriker und Elektroniker (Rang 4).
  • Bei den Bau- und Ausbaufachkräften, also zum Beispiel Zimmerleuten, Dachdeckern, Bauspenglern sowie Sanitär- und Heizungsinstallateuren, blieb das Verhältnis von offenen Stellen zu Stellensuchenden 2025 stabil, während es in den meisten anderen Gruppen sank. Gleiches gilt für Maschinenführer und Monteure sowie für Lastwagen- und Baumaschinenführer.

Und 2026? Laut dem Swiss Job Market Index Q2 2026 ist der Stellenmarkt insgesamt verhalten. Die Arbeitslosenquote lag im Mai 2026 bei 3 Prozent. Bei den Berufen in Handwerk und Industrie stieg die Zahl der ausgeschriebenen Stellen im Jahresvergleich aber um 12 Prozent. Genannt werden unter anderem Elektroinstallateure, Bauführer, Schweisser, Metallbauer sowie Anlagen- und Apparatebauer. Als Grund nennt die Studie die robuste Baukonjunktur und die Nachfrage in Bau, Gebäudetechnik und Infrastruktur.

Kurz gesagt: Der Markt ist nicht mehr überhitzt. Wer eine solide Ausbildung und Praxis hat, wird in vielen Handwerksberufen aber weiterhin gesucht.

Warum die Nachfrage langfristig bleibt

Die Pensionierungswelle

Das Bundesamt für Statistik (BFS) schreibt in seinen Bevölkerungsszenarien 2025–2055: In den nächsten Jahren kommen die geburtenstärksten Babyboom-Jahrgänge ins Rentenalter. 2024 kamen auf 100 Erwerbspersonen zwischen 20 und 64 Jahren 38 Personen ab 65 Jahren. Bis 2055 dürften es über 50 sein. Wer in Rente geht, hinterlässt eine Stelle, die jemand übernehmen muss.

Der Bundesrat hat im April 2026 einen Bericht zum Arbeitskräftemangel verabschiedet. Er nennt die Alterung der Bevölkerung als zentralen Treiber. Zugleich hält er fest: Wie stark der Mangel ist, hängt auch von der Konjunktur ab. In guten Jahren wird er grösser, in schwachen Jahren kleiner. Genau das sehen wir 2025 und 2026.

Der Umbau der Energie

Laut demselben Bericht erhöht auch die ökologische Transformation den Bedarf an bestimmten Fähigkeiten. Für Facharbeiter heisst das konkret: Dächer, Heizungen, Stromnetze und Autos werden umgebaut. Dafür braucht es Hände, nicht nur Pläne.

Diese Bereiche sind gefragt

BereichBerufe (Beispiele)Was dahintersteht
SolarElektroinstallateur, Dachdecker, Spengler, SolarinstallateurAusbau der Photovoltaik nach dem Stromgesetz
Wärmepumpen und GebäudetechnikHeizungsinstallateur, Sanitärinstallateur, Elektroinstallateur, ServicetechnikerFachkräftemangel laut Branchenbefragung ein zentrales Hemmnis
ElektroElektroinstallateur, Montage-Elektriker, ElektronikerRang 4 im Fachkräftemangel Index 2025
Bau und HolzbauZimmermann, Maurer, Polier, Dachdecker, BodenlegerStabile Nachfrage, Kaderstufe auf Rang 2
FahrzeugeAutomobil-Mechatroniker, Automobil-FachmannMehr Elektroautos, aber Verbrenner bleiben lange
Industrie und LogistikPolymechaniker, Anlagenführer, Metallbauer, Chauffeur Kat. C/CEStabile Nachfrage bei Maschinen- und Fahrzeugberufen

Solar: Elektro und Dach

Laut dem Solarmonitor Schweiz des Branchenverbands Swissolar (November 2024) arbeiten rund 11’000 Vollzeitstellen in der Schweizer Solarbranche. Um das Ausbauziel des Stromgesetzes bis 2035 zu erreichen, müssten es rund 19’000 werden. Seit August 2024 gibt es dafür zwei eigene Lehren: Solarinstallateur/in EFZ und Solarmonteur/in EBA. Für Sie als Elektriker, Dachdecker oder Spengler heisst das: Ihre Erfahrung passt direkt in dieses Feld.

Wärmepumpen und Gebäudetechnik

In einer Befragung von EnergieSchweiz (Bundesamt für Energie, März 2026) nennen Fachleute der Wärmepumpenbranche den Fachkräftemangel als eines der zentralen Hemmnisse. Gleichzeitig sehen sie in der Ausbildung von Fachkräften eine der grössten Chancen. Wer Wärmepumpen montieren, in Betrieb nehmen und warten kann, ist hier gut aufgestellt. Auf dieser Erfahrung können Sie später aufbauen, etwa in Richtung Planung oder Projektleitung.

Elektromobilität: Hochvolt in der Werkstatt

2025 waren laut BFS 22,7 Prozent der neu zugelassenen Personenwagen reine Elektroautos. Im gesamten Bestand waren es erst 5,2 Prozent. Das heisst: Die Werkstatt braucht beides, Wissen über Verbrennungsmotoren und über Hochvolt-Technik. Für Arbeiten an Elektrofahrzeugen bietet der Auto Gewerbe Verband Schweiz (AGVS) eigene Kurse an, zum Beispiel die Elektro-Instruktion für Arbeiten an Hochvolt-Fahrzeugen.

Bau und Holzbau

Auf dem Bau ist die Nachfrage auch im schwächeren Markt stabil geblieben. Am deutlichsten fehlt das Kader: Bauführer und Poliere stehen im Fachkräftemangel Index 2025 wie schon im Vorjahr auf Rang 2. Wer heute als Maurer oder Zimmermann auf der Baustelle steht, hat also einen klaren Weg nach oben, zum Beispiel über die Berufsprüfung zum Polier.

Industrie und Logistik

Hier lohnt ein genauer Blick. Maschinenführer, Monteure und Lastwagenchauffeure hatten 2025 eine stabile Nachfrage. Bei den Hilfskräften in Transport und Lager gab es dagegen mehr Stellensuchende als offene Stellen. Die Lehre und Zusatzausweise wie die Fahrerqualifikation machen also einen echten Unterschied. In der Exportindustrie ist die Lage 2026 wegen der schwachen Auslandnachfrage gedämpft.

Was das für Sie heisst

Sie können selbstbewusst verhandeln

Laut dem Bericht des Bundesrats bringt Arbeitskräftemangel für Arbeitnehmende vor allem Vorteile: Es ist leichter, eine Stelle zu finden. Betroffene Firmen investieren mehr in Weiterbildung, bieten flexiblere Arbeitsmodelle und erhöhen die Löhne. Das heisst nicht, dass jede Firma jede Forderung erfüllt. Aber Sie dürfen fragen: nach Lohn, Weiterbildung, Arbeitszeit und Fahrzeug.

Weiterbildung zahlt sich aus

Der schnellste Weg zu mehr Verantwortung führt in der Schweiz meist über eine Berufsprüfung oder eine höhere Fachprüfung, oft berufsbegleitend. Viele Betriebe beteiligen sich an Kosten oder Zeit. Alle Wege und die Beiträge des Bundes: Weiterbildung für Facharbeiter.

Spezialisierung macht Sie schwer ersetzbar

Gefragt ist, wer etwas kann, das nicht jeder kann: Hochvolt am Auto, Solaranlagen auf dem Dach, Inbetriebnahme von Wärmepumpen, Steuerungen an Maschinen. Oft reichen dafür kurze Kurse von Verbänden. Sie bauen auf Ihrer Lehre auf und ersetzen sie nicht.

Selbständigkeit oder Betrieb übernehmen

Laut einer Analyse von Dun & Bradstreet (März 2025) brauchen rund 90’667 Schweizer KMU in den nächsten Jahren eine Nachfolgeregelung, besonders kleine Betriebe mit bis zu 49 Mitarbeitenden. Für erfahrene Facharbeiter mit Meisterabschluss kann das eine Chance sein: einen bestehenden Betrieb mit Kunden übernehmen statt bei null anzufangen. Lassen Sie sich dafür beraten, zum Beispiel bei der Bank, beim Branchenverband oder bei einer Treuhandfirma.

Und die künstliche Intelligenz?

Laut dem Fachkräftemangel Index 2025 sind vor allem Büro-, Verwaltungs- und Informatikberufe stark von KI betroffen. Ein Dach decken, eine Leitung verlegen oder eine Maschine einrichten bleibt Handarbeit. KI kann aber Ihre Arbeit verändern, etwa bei Planung, Diagnose oder Dokumentation. Mehr dazu im Ratgeber Facharbeiter in Zeiten der KI.

Aus Deutschland oder Österreich

Gesetzliche Vorgaben zum Abschluss gibt es in der Schweiz nur für wenige Handwerksberufe. Für eine Anstellung brauchen Sie meist keine Anerkennung. Für Elektroarbeiten gelten eigene Regeln, siehe Anerkennung in der Schweiz. Schreiben Sie im Lebenslauf zu Ihrem Originaltitel die Schweizer Berufsbezeichnung dazu. Mit einem Arbeitsvertrag erhalten Sie als EU-Bürger eine Aufenthaltsbewilligung. Von der Stelle bis zum Umzug: Auswandern in acht Schritten.

Checkliste

  • Meinen Beruf in der Tabelle oben gefunden
  • Eine Spezialisierung gewählt, die zu meinem Beruf passt
  • Nächste Weiterbildung und Zulassung geprüft
  • Im Gespräch nach Weiterbildung, Arbeitszeit und Lohn gefragt
  • Bei Interesse: über Betriebsübernahme beraten lassen
  • Bei Abschluss aus DE/AT: Schweizer Berufsbezeichnung im Lebenslauf

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